Adultes Steinkauzweibchen
Adultes Steinkauzweibchen
Hintergründe zum Steinkauz
Steinkäuze gehören zu den Vögeln, die sich ohne erkennbare Stressreaktion greifen lassen. Wenn man z.B. die Jungvögel nach der Beringung absetzt, rennen sie nicht unbedingt fort - obwohl sie sehr gut zu Fuß sind. Weitere Hintergründe zum Steinkauz-Projekt des NABU finden Sie  hier
Interessantes zum Steinkauz
Umfangreiche Schweizer Untersuchungen ergaben folgende Fakten:

 

- Von jungen Steinkäuzen werden mehr Weibchen als Männchen flügge. Im Schnitt schaffen zu 46% Männchen den „Schritt aus der Bruthöhle“ und 54% Weibchen. In Jahren schlechter Nahrungsversorgung vergrößert sich die Kluft. In Zeiten des Hungers überleben umso mehr Weibchen. Nach dem Flüggewerden bis zum Abschluss des ersten Lebensjahres ist die Sterblichkeit bei den Geschlechtern gleich hoch. Im weiteren Lebensverlauf sterben dagegen mehr Weibchen – vermutlich, weil sie größeren Belastungen durch die Eiablage und die Jungenaufzucht ausgesetzt sind, während sich das Männchen „lediglich“ mit der Nahrungsbeschaffung und der Revierverteidigung beschäftigt.

 

- In einer Population sind also immer mehr einjährige Weibchen als Männchen, was eine Erklärung für folgende Beobachtung sein könnte: Gerade nach guten Jahren (quasi „geburtenstarken Jahrgängen“), in denen sehr viele Jungvögel flügge wurden, werden nur kaum oder nur wenige neue Reviere besiedelt, was schlicht und einfach am „Männermangel“ liegt. Erst, wenn sich im Laufe der Jahre das Geschlechterverhältnis dieses Jahrgangs wieder ausgeglichen hat, werden trotz „weniger geburtenstarker Jahrgänge“ mehr neue Reviere besiedelt, da auch die nun älteren Vögel alle einen Partner finden.
 
2014 fand sich in Langenlonsheim in einer Röhre ein Steinkauzpaar ein. Es legte zwei Eier und bebrütete sie wie jedes andere Brutpaar. Die Weibchen sind erkennbar am sogenannten Brutfleck, dem federlosen Bauch zur Bebrütung der Eier. Männchen haben nie einen Brutfleck. Das vermeintliche Männchen (mit nur schwach ausgeprägtem Brutfleck) trug schon einen Ring und war in Vorjahren bereits mehrfach eindeutig als brütendes Weibchen kontrolliert worden. Die Brut war aufgrund nicht befruchteter Eier schlussendlich nicht erfolgreich. Auf einer Fachtagung von Steinkauzexperten wurde die Theorie bestätigt, dass es sich in diesem Falle um ein lesbisches Pärchen gehandelt hat, was andernorts in seltenen Fällen und auch bei anderen Vogelarten (u. a. Schleiereule und Haustaube) bereits beobachtet werden konnte. Berühmt wurde damit vor einigen Jahren gar ein homosexuelles Pinguinpaar in einem norddeutschen Zoo.

 

2015 wurde derselbe altbekannte Vogel wieder als Weibchen kontrolliert und zog diesmal erfolgreich 6 Jungvögel auf. Allerdings – logisch – mit einem männlichen Partner.